
Feuchter Beton. Kalter Rauch. Pisse. Sina steht im Treppenhaus. Dort, wo durch den Spalt in der Metalltür orangensaftgleich Licht ins Innere schwappt. Mucksmäuschenstill. Sim ist dort draußen, auf dem Dach ihres Hochhauses. Sie weiß es. Die Bierdosen in ihrem Beutel ticken gegeneinander. Sich ganz cool neben ihn setzen, eine Dose öffnen. Und dann sehen, was passiert.
Erschrecken will sie ihn aber auch nicht.
|| deng || deng || deng ||
lässt sie die Bierdosen am Geländer entlangscheppern.
Auf dem Dach ist niemand. So viel zum Cool-tun. Sie rutscht an der sonnenwarmen Wand herunter und wühlt im Beutel.
Von hier aus kann man bis Frankreich gucken, hatte ihr großer Bruder immer gesagt. Sie war noch nie in Frankreich.
Scheiße, brüllt Sina. Bier und Schaum spritzt ihr ins Gesicht, die Haaren, auf das Top, auf die nackten Beine, tropft von ihr herunter. Fast leer die Dose. Scheiße!
Sim ist da. Er kniet sich neben sie, auf einem Knie wie so ein Ritter und streckt ihr ein Packet zerknautschter Taschentücher hin. Sie sieht, wie er sieht, dass ihr die Wimperntusche schwarze Biertränen malt, die Haare plattgegossen. Er zieht ein Taschentuch für sie raus.
– Da.
Er lässt er sich neben sie auf den Hintern fallen. Seine spitzen Knie piksen den orangefarbenen Himmel.
– Hab dich hier oben noch nie gesehen.
– Wollte die Untergeher … , ich meine, die Sonne … Sonnenuntergang … du weißt schon.
Er nickt. Aus seinem Beutel holt er eine Flasche Cola.
– Willste?
– Ja. Danke.
– Schau mal da! Was da hinten glitzert, ist der Rhein. Von hier oben kann man bis nach Frankreich sehen, wusstest Du das?
Bild: privat